Modellprojekte für den Radverkehr in Bayern - Die Gemeinde Weßling macht mit!

Ein Beitrag von Monika Schwarzhuber, Landratsamt Starnberg

 

Die Oberste Baubehörde führt ab diesem Herbst zusammen mit der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm und der AGFK Bayern e. V. (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e. V.) in mehreren bayerischen Gemeinden und Landkreisen modellhafte Verkehrsversuche für den Radverkehr an innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen durch. Auch die Gemeinde Weßling beteiligt sich an diesen Versuchen:

Die StVO sieht derzeit nur Verkehrszeichen für benutzungspflichtige Radwege vor. Ein breiter gemeinsamer Geh- und Radweg neben der Fahrbahn oder auch ein baulich vom Gehweg abgesetzter Radweg suggeriert oft eine Benutzungspflicht, obwohl diese nicht mehr besteht oder noch nie bestand. Besonders nach der Aufhebung einer Benutzungspflicht ist eine Unsicherheit festzustellen. Auf der Fahrbahn kommt es dann immer wieder zu Konflikten zwischen Autofahrern und Radfahrern, die auf der Fahrbahn fahren.

Im Zuge des Verkehrsversuchs wird in Weßling die Benutzungspflicht für den gemeinsamen Geh- und Radweg an der Hauptstraße zwischen Gautinger Straße und Nelkenweg aufgehoben. Neu entwickelte Hinweisschilder sollen Kfz-Fahrer zukünftig darauf hinweisen, dass Radfahrer nun in zulässiger Weise die Fahrbahn benutzen können. Piktogramme auf dem ehemals benutzungspflichtigen Radweg sollen den Radfahrern aber auch signalisieren, dass sie diesen weiterhin benutzen können.

Der Verkehrsversuch ist in drei Teile gegliedert: Los geht’s in der letzten Septemberwoche mit vierstündigen Videoaufnahmen entlang der Weßlinger Hauptstraße Straße, um das derzeitige Verhalten der Verkehrsteilnehmer zu dokumentieren. Dabei werden der Radverkehr, der Kfz-Verkehr und der ÖPNV gezählt. Beim Radverkehr wird zusätzlich das Geschlecht, die Altersklasse (unter 18, 18-65, über 65) und die Flächenwahl (Rad-/Gehweg, Fahrbahn, Gegenrichtung) erhoben. Anhand der Videoaufnahmen werden die Geschwindigkeiten und Fahrlinien der Verkehrsteilnehmer sowie die Sicherheitsabstände bei Überholvorgängen ausgewertet. Um die Auswertungen zu ermöglichen, werden auf die Fahrbahn über eine Länge von 30 m mit wasserlöslichem Kreidespray vier Punktelinien aufgebracht. Dafür wird der Verkehr für einen kurzen Zeitraum aufgehalten werden. Die Untersuchungsmethode auf der Grundlage von Videoaufnahmen wurde mit dem Datenschutzbeauftragten im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr abgestimmt.

In der zweiten Phase der Verkehrsversuche werden Piktogramme und Beschilderung über einen Zeitraum von einem Jahr aufgebracht.

Die Verkehrsversuche enden im September 2019 mit weiteren Videoaufnahmen an gleicher Stelle, anhand derer untersucht werden soll, ob sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer geändert hat. Der Abschlussbericht der Technischen Hochschule Nürnberg soll 2020 vorgelegt werden.

Nähere Auskünfte erteilt die Radverkehrsbeauftragte im Landratsamt Starnberg unter der Telefonnummer: 08151/148 465.