Sonderausstellung - 150. Geburtstag Heinrich Brüne - Ausstellung vom 27.10.19 - 19.04.2020

150. Geburtstag Heinrich Brüne - Künstlerkollegen zu Besuch am Weßlinger See

Ein Beitrag von Erich Rüba

Carl Heinrich Brüne wird am 5. November 1869 als zweites Kind des Malers und Anstreichers Heinrich Brüne und dessen Ehefrau Meta Marie Elisabeth, geb. Zierenberg, in Bonn geboren. Die Familie bewohnt das Anwesen Josefstraße 5, in dem sich auch der elterliche Dekorationsmalerei- und Anstreicherbetrieb befindet. Durch den Vater haben Heinrich und seine Brüder Ernst (*1867) und Hugo (*1872) sehr bald Umgang mit Farben. Heinrichs Talent zeigt sich bereits im frühen Schüleralter. Wohl auch geprägt durch seinen Onkel Richard Brüne (1839-1906), der in damaliger Zeit ein begabter Dekorations- und Landschaftsmaler war. Von ihm haben sich einige Gemälde erhalten, die meist Rheinlandschaften in ihren verschiedenen Stimmungen zeigen. 

Am 19. Oktober 1891 wird der 22-jährige Brüne an der Münchner Akademie der bildenden Künste in die Malklasse von Professor Otto Seitz aufgenommen. »In Anerkennung Ihrer Gesamtleistung« wird Heinrich Brüne am 10. Mai 1898 die »Große silberne Medaille« durch die Kgl. Akademie der Bildenden Künste in München verliehen. Brüne beendet 1901 sein Kunststudium. Während seiner Zeit an der Münchner Akademie besuchte er überwiegend die Wintersemester. Am 7. Mai 1901 heiratet der Kunstmaler seine Verlobte Sophie Weinmann. Als Trauzeugen fungieren seine beiden Gönner und Freunde Bernhard Koehler und Carl Gerhardt.

Mit der großzügigen Unterstützung von Carl Gerhardt, Bonn, erwirbt Heinrich Brüne 1907 für 700 Mark von Josef Geschwandtner in dem westlich von München gelegenen kleinen Dorf Oberpfaffenhofen - in der heutigen Ettenhofener Straße - ein Grundstück und baut sich ein kleines Haus mit winzigen Wohnräumen, aber einem umso größeren Atelier. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 8000 Mark.

Pierre-Auguste Renoir arbeitet im August 1910 mehrere Wochen in seinem Oberpfaffenhofener Atelier. Er ist fasziniert von der Arbeitsweise des greisen Impressionisten, der »eintaucht« in sein Werk, das bei Brüne zur »Befreiung von anerlerntem Zwang« führt. Als Hommage an den französischen Meister entstehen nach der Begegnung mit Renoir z. B. "Nach dem Ball« oder »Mädchen im Bad« (beide Gemälde können in der Ausstellung besichtigt werden).

Auf der XI. Internationalen Kunstausstellung und Münchener Jahresausstellung im Glaspalast wird sein 1912 entstandenes Gemälde »Picknick im Walde« (»Frühstück im Freien«), das sich thematisch an Eduard Manets »Frühstück im Grünen«, 1863, anlehnt, mit der Medaille 1. Klasse ausgezeichnet. Brüne wurde wohl durch seine Ausflüge in die heimischen Wälder zu diesem Gemälde - dem Festhalten eines gelebten Augenblickes in der Natur - inspiriert.

Heinrich Brüne wird am 5. März 1919 nach einem vorangegangenen strengen Auswahlverfahren als »ordentliches Mitglied« in die »Neue Secession« aufgenommen. Zur Jury gehören 1919 u. a. Maria Caspar-Filser, Josef Eberz, Otto Kopp, Max Unold, Karl Caspar, Paul Klee, Hans Gött, Alexander Kanoldt und Edwin Scharff.

Ab den 1920er Jahren bildet Brüne - 1925 wird ihm der Titel »Professor der bildenden Künste« verliehen - die Schüler/innen Andreas Schwarzkopf, Herbert Appelbaum, Wilhelm Haas, Maria Weyersberg, Paul von Waldthausen und Carola Leichtenstern aus. Zeitlebens steht Brüne, der bei seinen Unterweisungen stets das individuelle Empfinden seiner Malschüler förderte, mit ihnen in regem Gedankenaustausch.

Brünes Wohnhaus in Oberpfaffenhofen war ein Treffpunkt der Münchener Kunstszene. Sonn-tags öffnete er von 11-13 Uhr seine Türen zu einem Atelierrundgang. Seine Künstlerwerkstatt befand sich meist in liebevoller Unordnung, zahlreiche Gemälde hingen an den weißgetünchten Wänden und standen auf dem Fußboden herum; mehrere Staffeleien mit angefangenen Bildern, sowie ein mit biblischen Szenen bemalter Paravent im Raum verteilt und überall benützte Pinsel und verstreute Farbtuben. Mit herzlicher Gastfreundschaft empfing er seine Malerkollegen und Kunstliebhaber und freute sich, wenn seine Arbeiten zu Debatten anregten.

Am 1. Mai 1945 stirbt Heinrich Brüne in seinem kleinen Atelierhaus in Oberpfaffenhofen. Er wird beigesetzt neben seiner Frau Sophie auf dem Dorffriedhof bei der Pfarrkirche St. Georg.

Die Gemeindegalerie zeigt in der Ausstellung Werke von Heinrich Brüne, seinen Künstlerkollegen und Malschülern. Im Besonderen bedankt sich die Gemeindeverwaltung Weßling beim Evarist Adam Weber Archiv für die wiederholt gute Zusammenarbeit und die zur Verfügung gestellten Leihgaben. Gedankt sei ebenso den privaten Leihgebern.