1914-1918 - Künstler an der Front


»… wann wird dieser Krieg einmal sein Ende finden …«                                                            

Kriegserinnerungen aus dem Dorf Weßling
 

Am 1. August 1914 liefen die Menschen in Berlin, in München, im Osten und Westen, im gesamten Land zusammen. Das Deutsche Reich hatte Russland den Krieg erklärt. Begeistert nahm man größtenteils die Kriegsbotschaft auf. Man meldete sich freiwillig. Zu den Freiwilligen zählte auch der 45-jährige Oberpfaffenhofener Maler Heinrich Brüne. Im Winter 1915 hält Sophie Brüne einen Brief ihres Gatten vom 7. Februar 1915 aus Gent in den Händen und liest: »…wann wird dieser Krieg einmal sein Ende finden, dieses furchtbare Zerreißen und Zerfetzen der warmblütigen Menschenleiber […].«1

Die Vertreter der Kunst dieser Zeit geben diesem Krieg ein Gesicht, das oft ungeschönt Einblick gibt, was die Soldaten erleben, was sie erschauen. Die Ausstellung macht an Hand von Werken der Künstler der so genannten zweiten Generation deutlich, wie sehr der Erste Weltkrieg sich der Künstler bemächtigte. Es finden sich u. a. Arbeiten, die die Mobilisierung des Militärs in der Heimat zeigen, erschütternde Aquarelle aus einem Kinderkrankenhaus in Berlin (Joachim Rágóczy), in Gefangenschaft in Barcelonette entstandene Holzschnitte (Gottfried Fischer) und im Lager Wakefield/England gefertigte Papierarbeiten (Franz Rebay von Ehrenwiesen), in denen die Heimat in Form von bayerischen Figuren auflebt. Das Ausmaß der durchlebten Hölle lassen hier beispielhaft vor allem aber die Mappenwerke Erich Gruners und Evarist Adam Webers erahnen, letzterer kämpfte beim Bayer. Reserve Infanterie Regiment 15 an der Westfront wie viele der Weßlinger Soldaten.

Wenn auch in den Städten zahlreiche junge Männer im »akademischen Überschwang« auf die Bekanntgabe der Mobilmachung reagierten, so sah die Kriegsbegeisterung bei der ländlichen und bäuerlichen Bevölkerung sehr viel verhaltender aus. Hier hielten sich die patriotische Gesinnung und der häufig zu beobachtende Kriegstaumel in Grenzen. Bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn treffen im Dorf die ersten Meldungen von Gefallenen ein: Martin Spiegl †28. August 1914 (Weßling), Anselm Plonner †5. September 1914 (Oberpfaffenhofen), Franz Xaver Diller †29. September 1914 (Hochstadt). Unendliche Tragödien spielen sich auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs ab, die bei weitem das menschliche Vorstellungsvermögen überschreiten. Allein in Verdun und an der Somme finden 1916 innerhalb weniger Wochen Hunderttausende den Tod.

Die Ausstellung soll an die 40 Weßlinger, Oberpfaffenhofener und Hochstadter Soldaten erinnern, deren Leben durch den Krieg jäh beendet wurde, sowie von einigen Begebenheiten aus dem Dorfleben berichten.

Die Ausstellung „Künstler an die Front“ ist derzeit in der Gemeindegalerie bis zum 27.01.2019 zu sehen.

1

Heinrich Brüne Archiv Weßling, Brief Heinrich Brüne an Sophie Brüne, Gent, 7. Februar 1915